Die Wahrheit über die Wahrheit

ist, dass sie geliebt werden möchte – so wie du und ich.

Darum geht es auch gar nicht so sehr darum, was denn die Wahrheit wäre.

Gewissheiten sind zuhauf und an jeder Ecke zu haben – im Dutzend billiger und allesamt Lüge.

Sondern zutiefst und nur darum, wer die Wahrheit ist.

Und sie das ganz persönlich selber fragen zu dürfen, bedarf es ihrer königlichen Gegenwart.

Darum existiere ich.

Tanze mit den Derwischen und den Planeten ums Licht.

UNTERM STRICH

Der Boden des Tempels – Herbstblätter auf Asphalt und schmutzigweißen Fahrbahnmarkierungen unter einem jetzt fast schwarzen Himmel; wie ein Bild meiner Vergesslichkeit, die Dich jetzt eben – eben mal wieder – wiedergefunden hat. Ganz unten. Unter dem Strich:

Du bist viel zu schön, um nicht wahr zu sein. Auch ohne Himmel.

GRAVITATIONSTHEORIE

Panta piptei — alles fällt! Alle Existenz ist ihre Schwere; kein All existierte ohne die schöpferische Kraft von Gravitation; und sogar das an sich schwerelose Licht, das die Pflanzen aus dem Boden lockt und dazu bringt, sich ihm entgegen zum Himmel zu recken und zu blühen, und uns, die Augen aufzuschlagen, aufzustehen und uns auf den Weg zu machen, erwachsen zu werden, entstand durch das Gesetz der Schwere unter der Gravitation von Sonnen. Selbst mein Verstand, angetrieben von alltäglicher Sorge um die Existenz, folgt dem Gewicht des Faktischen, nicht anders als ein Wasserfall dem Andruck seines Stroms, und richtet sich auf ein Zentrum, das uns allen gemeinsam ist.

Wir leuchten kurz auf im Fallen wie Meteore auf dem Weg zu unserem Grab im Boden und kehren zurück und werden eins mit Mutter Erde.

BESUCH

Wo ich nie hinschaute – in einer staubigen Ecke zwischen Tür und Wand – wartet er schon: der Ritter vom Mars, in seiner Kapsel aus Kartonabfall und Altpapier, zwischen achtlos fortgeworfenen Versuchen von mir, auf mein Willkommen.

Er wird umsichtig den Deckel heben, umständlich aus der Luke klettern, sich recken und strecken, sich sodann verneigen und sich vorstellen: ÜLPS – das bin ich. Sich erstmal ein Pfeifchen anstecken und endlich loslegen und nicht aufhören, bis alles erzählt ist.

Das wird ein Trost sein – während im Leeren roter Sternstaub langsam rotiert und fünf grüne Gasplaneten vorübereiern und dreiunddreißig blaue Monde, löchrig zerschrammt und splittrig vereist, einer wie der andere.

Endlich wird er schweigen. Doch wir sitzen noch lange zusammen und schauen dem Rauch nach.

Aus der Nacht schwingt das Lachen der Monroe herein, federleicht wie das Gurren des Schlafbaums…

Wir sind ans Finden verloren. Einer wie der Andere.

Zum Überlegenen Logischen Prinzip der Selbstbezüglichkeit

ÜLPS ist die Idee der Wirklichkeit als Teil von etwas Ganzem, das im Ganzen identisch sein müsste mit seiner eigenen Idee, um Sinn zu machen, sich jedem Begreifen im Einzelnen insofern aber in die Tiefe bloßer Selbstbezüglichkeit entzieht.

ÜLPS, als die materialisierte Idee einer nichtmateriellen „Idee an sich“, die dem materiellen Ganzen des Universums allein Sinn verleihen könnte, bleibt das ewige Geheimnis einer Gegenwart, deren Idee nicht im Kopf wurzelt, sondern im Boden, auf dem sie uns begegnet als der Moment.

JENSEITS VON UFERLOS

den Gravitationswellen hilflos ausgeliefert wurden wir an Deine Gestade geschleudert

All-Insel
Planet
Erde

In der Brandung der Gravitationswellen an Deinem Strand haben wir als Kinder gespielt bis 1 Stein mir den Fuß brach

in atemloser Verschränktheit der Quantenkorrelation vor Deinem Ufer
wo eine Stille wartete die alles umarmen würde
und uns festhielt
und einlud zu bleiben

Aus der Tiefe 1 ÜLPS

als meine Hymne an den Moment und an das Schwerefeld der Erde

Gegensätze müssen sich berühren um wirklich zu sein.

Aus der Berührung von Quant und Idee entsteht Wirklichkeit: als die Gegenwart der Idee hinter der materiellen Anwesenheit ihrer Form – alles, was wir zu fassen bekommen und fassen können, ist Gestalt. Die Idee selbst bleibt abwesend, wird aber wirklich durch ihre Gegenwart in Gestalt der materialisierten Form, die sich vorstellt.

Bildhafter vorgestellt: das Quant verhält sich zur Wirklichkeit in etwa so wie die Druckerschwärze zur Schrift, die Bedeutung trägt und von Ideen spricht. Zwar bleibt der Hintergrund der Schrift – gewissermaßen das Papier, um im Bild zu bleiben – nichts weiter als das bloße Weiß, und ungestaltet als der blinde Fleck für sich: wer bist du, die alles, was sein wird, bewahrt – Gegenwart?!

Die Entdeckung des Quants hat, selbst philosophischerseits unerwartet, dem demokritischen Begriff von einer „Materie für sich“ eine konkrete Bedeutung verliehen. Der Schlüssel zur Quantentheorie liegt in der Einsicht, dass Materie für sich auf der Ebene des Quants keinerlei Identität mehr an sich hat und insofern nicht der Kausalität unterliegen kann, und deshalb aus sich selbst heraus auch keiner Zeit – die materielle Dimension ist reiner Ortsraum, in dem aller Zusammenhang quantisierter Zwischenraum ist und das materielle Ding an sich ausgedehnt.

Zeit bildet die Dimension der dazu komplementären, anderen Hälfte eines dualistischen Ganzen, des Gegensatzes zu Materie – sie ist die geistige Dimension der Wirklichkeit. Schon die Uhr an sich ist als menschliche Erfindung ersichtlich nichts anderes als Idee und hat insbesondere, im unvermittelbaren Gegensatz zum Quant, notwendig Identität an sich; man könnte sie sonst nicht eichen, weil man dazu zwei Uhren braucht. Identität aber ist im gequantelten Schriftzug der Idee das Hauptwort im Satz. Und ebenso wie die Uhr, die in der Blues-Garage der Wirklichkeit Schlagzeug spielt, ohne mehr von der Zeit zu wissen als ihren eigenen Takt, ist alle Art Gegenwart aus Idee gemacht.

Fragte man jetzt aber, wie vorher nach einer Materie für sich als der einen Hälfte des Gegensatzes, nach einem An-Sich der Idee, so wäre es notwendig selbst wieder Idee – man näherte sich der Idee hinter der Idee in mühsamer Vergeblichkeit allenfalls scheinbar, als wäre sie eine transzendente Form von russischer Matroschka, in der man auch nach dem achten, verzweifelten Versuch, bis zum Kern vorzustoßen, immer wieder noch und noch mal eine Matroschka finden würde – meinetwegen auch bis zum Jüngsten Tag. Und erst ein ÜLPS aus hermetischer Tiefe gibt letztlich Antwort, das in der Matroschka der Idee verborgen liegt ohne Anfang und Ende, im Moment aber bloß als das Hier und Jetzt.

Aus der Tiefe 1 ÜLPS bleibt aller Gegenwart Geheimnis.

Das Ganze lässt sich so wenig fassen wie insbesondere schon das eigene Leben; am wenigsten aber die Augenblicke, wenn du staunst und die Zeit den Atem anhält oder der eine Augenblick, der voraussichtlich der letzte sein wird, bevor die Zeit aufhört zu sein. Wir bleiben um den Sinn geprellt; die Welt dahingestellt als Rätsel wie die Kulisse zu einem Bühnenstück, das von Leben und Sterben handelt; fragen uns vergeblich nach der Idee, die reine Abwesenheit war, obwohl beim Wort genommen. Wer bist Du, ÜLPS – als ganz selbstbezüglich nichts als die Wirklichkeit selbst: die Idee für sich mag hinter ihrer Gegenwart im Hier und Jetzt für immer verborgen bleiben. Sie entzieht sich, mit einzig unbestreitbarer Ausnahme vielleicht einiger allgemeingültiger Naturgesetze, jeder intersubjektiv objektivierbaren Gewissheit und will subjektiv befragt, will sagen, persönlich erlebt werden. Wahrheit ist ein Land ohne Wege. Kein Wort kommt ihr zuvor.

Das Wesen der Idee liegt im Bezug: sie ist reine Gegenwart. Platos Idee der Idee ist daher in der moderneren Philosophie nicht völlig zu Unrecht in Verruf geraten: er imaginierte eine Ewigkeit und sah in ihr das Reich an sich transzendenter, ewiger Ideen. ÜLPS dagegen, als die Verschärfung jeder Idee, verortet die Idee für sich in der negativen Logik ihrer Abwesenheit. Wirklichkeit hat sie allemal, ob wahr, gut beraten, dumm oder falsch, nämlich als der eine logisch notwendige Bestandteil in jedem Akt menschlicher Erkenntnis, auf den sich jeweils die Aufmerksamkeit richten kann. Und selbstverständlich verortet sich jede Idee selbst, hier schon wieder selbstbezüglich – weil es sonst unmöglich wäre, zu argumentieren – in der hauseigenen Grammatik der Zeit aus Logik auf der Bedeutungsebene von Wirklichkeit selbst: Kausalität, zu der Identität der Schlüssel ist.

Identität bedeutet die Verfolgbarkeit des Schuldigen im Krimi der Kausalität und ist insofern die Voraussetzung für jede Art von Erkenntnis. Man käme daher, dem dualistischen Ganzen gegenüber, nicht einen Schritt auf der Bedeutungsebene weiter, wenn man den geistigen Charakter der Zeit verkennen wollte – die Idee an sich bleibt wirklich; auch wenn jede Auskunft über sie, sofern sie irgendwelche Wahrheit enthält, trotzdem immer um 1 ÜLPS hinter einer transzendenten, absoluten Wahrheit zurückbleiben wird, die dann hoffentlich einleuchten, endlich alle Gegensätze überwinden und den Dualismus von Quant und Idee in einer Ganzheit aufheben würde. Die ist uns nicht zugänglich; und wenn sie existieren würde, müsste sie identisch sein mit dem Ganzen, um Sinn zu machen.

Die Welt, laut Schopenhauer ein Nichts als Wille und Vorstellung – ein tanzender Irrwisch, der durch die Geschichte geistert als das Gespenst der Vergangenheit, das einen auf der Straße anrempelt. Was aber wäre ihr gegenüber der Geist, wenn nicht die Verortung der Gegenwart in seiner Wirklichkeit: aller Ort ist jetzt und hier – der Beobachter spitzt seine Messkanäle und sitzt im Straßencafé. Zwar nichts Konkreteres zum Anlass gibt uns Bodenhaftung als ein ÜLPS aus der Tiefe: als die Idee – schon Ort an sich war Fiktion! Da ist kein fester Ort im All! Der Planet stürzt im freien Fall in seinem jährlichen Kreis um die Sonne, die im Reigen des Sternstaubs um das noch verborgene Zentrum der Milchstraße gegen ein ferneres Nirgends taumelt, das unter Myriaden von Galaxien in eine ständig zunehmende Leere rast. Da war kein Ort – nirgends. Im All ist überall nirgends außer hier: denn was uns, wenn auch fiktiv, einen Ort zuweist, ist in Wirklichkeit Partizipation; ist unser Bezug zum Boden von Mutter Erde – jetzt: alle Schwere meint sie!

War Schwere vielleicht die eine Idee, die wie ein ÜLPS aus der Tiefe alles andere erschaffen hat, was sich uns je vorstellte als Idee – mit einem Wort, Gegenwart?! Dann wäre sie es gewesen, die der Zeit wortlos Sinn gegeben und Leben eingehaucht hätte, sie wäre die eine Idee hinter allem, was offenbar ist – sichtbar und insofern auch manifest wirklich! Wozu sonst hätte sich der Staub zusammengeballt und Sterne gezeugt, Planeten und Monde – Schwere erschuf den Boden, auf dem ich mich im Nichts des Alls verorte: denn aller Ort ist nichts als Bezug, ist Boden, ist voll seiner Schwere – ganz wie ein Loch im an sich Bodenlosen, randvoll mit Identität. Jeder Ort ist das Zeitschiff, indem er Identität an sich hat: ganz wie die alte Linde am Dorfplatz, die schon seit Jahrhunderten derselbe Ort geblieben ist. Wie schwer aber die Zeit wog, vermochte nur zu ermessen, wer selber da war.

Die Relevanz von Schwere, gleichbedeutend mit der Existenz der Welt, liefert mir den physikalischen Beweis für die Wirklichkeit der Idee. Dass Gravitation als die einzige der vier Grundkräfte, die nur von Identität ausgehen kann, indem sie die Existenz eines Schwerpunkts voraussetzt, reine Idee ist, sieht man daran, dass sie – im Gegensatz zur im Photon quantisierten elektromagnetischen Wechselwirkung – allein aufgrund der mathematischen Form des Kraftgesetzes, die Energie und Gesamtimpuls eines Mehrkörpersystems schon von sich aus erhält, ohne jedes materielle „Eichfeld“ auskommt. Es gibt kein Graviton. Schwere herrscht nicht per Austausch von Teilchen unter Quanten, wie die drei anderen Grundkräfte, sondern per Gesetz unter Dingen mit Identität – Sonne, Mond und Sterne, und auf dem Boden der Erde du und ich: Gravitation wäre vielleicht die eine magische Idee eines Schöpfungsprogrammierers, versteckt in Anweisungen der Zentrallegierung im Rechenkern des Quantenkosmos, die es brauchte, damit aus Materie von sich aus Welt würde. Frag mich nach seinem Namen, mir fiele dazu nichts ein als ein „ÜLPS“ ohne akademischen Abschluss.

Eine materielle Ursache für die Gravitationskraft, so wie sie im Falle der elektromagnetischen Wechselwirkung von Ladungen das quantisierte Feld darstellt, wäre wegen eben dieser Form des Kraftgesetzes überflüssig und ist nirgends zu erkennen. Doch ihre Wirkung ist überall im All, wo hinreichend Licht ist, nicht zu übersehen – in Form der Gültigkeit eines Gesetzes, durch das sich die Schöpfungsidee selbstbezüglich in ihrer eigenen Sprache in Form ihrer Gegenwart als Welt offenbart. Ohne Gravitation wäre nichts als das Quantenfeld für sich. Alles, was Existenz und insofern Identität an sich hat, jeder Planet, Sonnen wie Galaxien, jeder Asteroid, jeder Stein, selbst der Staub ist erst unter Gravitation geworden, durch ihre Mühlen gegangen und schwer von seiner Gegenwart.

So wie ich selbst: meine irdische Schwere erst hat mir gestattet, mich gegen den Andruck eines Bodens aufzurichten und mich umzuschauen. Was sieht man?! Nichts als Wirklichkeit, soweit das Auge reicht! Denn wo man auch hinschaut, herrscht die Idee; menschliche Ideen sowohl wie die Ideen der Natur. Menschliche Ideen herrschen unter uns, in uns und über uns jeweils nach dem Grad ihrer gesellschaftlichen Relevanz; also nicht unbedingt nach dem Wahrheitsgehalt. Auch physiktheoretische Ideen können wahr sein oder falsch; so wie die momentan alles beherrschende und alles vernebelnde Relativitätstheorie der Zeit. Wenn ich aber hier das Konzept Identität als physikalisch wirksame Idee in die Physik einführe, dann ist dies anscheinend eine ganz neue Idee: Identität ist ein so selbstverständlicher Bestandteil unserer Erfahrungswelt, dass es erst der neueren Einsicht in die Identitätslosigkeit des Quants bedurfte, um sich einzugestehen, dass Identität, als die Grundbedingung allen Seins, erkenntnistheoretisch gesehen keineswegs selbstverständlich ist, sondern selbstbezüglich als Idee und für sich genommen im Einzelfall, und dass sogar die physikalische Realität, wenn auch bisher leider nur unbewusst, objektivierbare Ideen enthält. Dazu zählt auch die Zeit. Begriffen haben das allerdings die allerwenigsten unter den heutigen Physikern.

Ich behaupte an dieser Stelle, stellvertretend für eine Physik, die auf der Stelle tritt, dass Schwere die physikalische Ursache und die Grundform des Zusammenhangs von Identitäten darstellt. Ohne diesen Bezug wäre Identität weder entstanden, noch wäre sie zu denken; wie auch eine Identität allein im ganzen All, für sich genommen, keinerlei Sinn machte. Identität kann nur entstehen und bestehen gegenüber und in Abgrenzung von anderen Identitäten – das ist die Funktion von Gravitation im gesetzmäßigen Gefüge einer Schöpfung, die sich erschafft durch Bezugnahme auf sich selbst. In dieser Art von Staat ist Schwere das objektive Maß der Relevanz von Identität, die sich spiegelt und am Ende in Menschenwesen, die im Schwerefeld der Erde am Boden leben und mit astronomischen Teleskopen den Himmel vermessen, selbst erkennt; innerhalb einer per Gesetz als logisch notwendig gegebenen Hierarchie des relativen Masseanteils, wie sie ein Sonnensystem darstellt. Sie ist insofern ihrer physisch messbaren Wirklichkeit zum Trotz eine geistige Kraft, die jedem Ding oder Gegenstand – allem, was Identität an sich hat – physikalische Relevanz zumisst gemäß seinem Masseanteil.

Wirklichkeit hat jede Idee an sich, die sich selbst vorstellt – im Rauschen der Wälder das Licht und die Idee der Photosynthese und von stummer Hingabe an das Ganze ebenso wie das eisige Schweigen der Ringe des Saturn oder die Idee des Rades als Besessenheit, die es umso eiliger hat, als es für immer neue Siege rollen muss; hoffnungslose Ideen wie die Atombombe, machtlose Ideen wie ein Gott der Liebe, fiebrige Ideen wie die Gier nach dem Geld, aber auch schneidende Ideen wie das Schwert des Propheten und anstatt Fußnoten und Kommentare so pompöse Zierlichkeiten wie der Schleier einer Frau zwischen den rasierten Stiernacken der Rechtgläubigen, die von der falschen Idee zeugen, damit wir die Blickrichtung wechseln.

Wer ist die Idee? Was ist die Idee hinter der Idee? Welche Idee hat die Idee von sich selbst; und woraus besteht sie überhaupt – als aus nichts als Idee: alles, was sich im Prinzip sagen ließe, liegt im Bezug all meiner Ideen auf- und untereinander, rätselhaft und unauflöslich verschränkt, ähnlich wie die paradoxe Korrelation der Quanten, in einem unfassbaren Gesamtzusammenhang. Doch da: 1 ÜLPS aus der Tiefe erweckt die Idee zum Leben, verleiht ihr Gestalt; wird Gegenwart; und so steht sie trotzdem eines Abends wieder da – so wie der alte Baum gegenüber, oder zapft dir hinter der Theke noch ein Bier – frag sie nur nach ihrem Namen; jede Idee kennt sich selbst und gibt Auskunft; in den meisten Fällen ungefragt. Der Baum, zwar still, gibt aber, umso beharrlicher befragt, vielleicht sogar etwas wie Wahrheit preis. Das ist nicht die Regel. Alle Ideen wollen gefallen, wenn nicht verehrt, in Einzelfällen aus dem Privatleben sogar geliebt werden; und jede Lüge war ihnen recht, jede Ausrede, jede Gefälligkeit wie jedwede Form von Anbiederung und jede Hassparole, damit du ihnen hinterherläufst und ihnen glaubst. Auch das Böse will gefallen und findet seine Anhänger, und der schönste aller Engel soll der Legende zufolge sowieso Luzifer gewesen sein.

Darum muss man jeder Art von Gewissheit misstrauen, schon die wissenschaftlichen Theorien sind wurmstichig, wenn nicht Lüge, und mancher alte Baum hat die Stammfäule. Jede Idee ist so wirklich, wie sie uns jeweils in der Gegenwart begegnet, uns von sich einzunehmen oder zu überzeugen; aber jede bekannte Wirklichkeit droht einzustürzen, schon um Raum zu schaffen für neue Ideen. ÜLPS allein nennt die Wahrheit bei ihrem Namen, der nicht existiert, doch die ganze Wahrheit enthält wie ein ÜLPS nichts als den Moment. Jede andere Idee verbirgt sie – vielleicht in koketter Absicht wie eine Frau ihr Gesicht, um dein Interesse oder gar Gefallen zu erregen und dich vielleicht für dauernd zu erobern und hinfort möglichst an der Leine von Gewissheit und Gewohnheit zu halten.

Zum Beispiel auch Bonn, neue Heimat! Ich liege an der Leine; denn sie hat es einst geschafft, mich zum Schiftstellern zu provozieren; 1 ÜLPS kommt dir entgegen als der Moment auf Schritt und Tritt von Anfang bis nach Endenich; schon fast aus lieb gewordener Gewohnheit. Auf Gewissheiten konnte ich dagegen immer schon verzichten. Ich lasse mich stattdessen gern überraschen vom zerstreuten Charme, der mir aus dem unterirdischen Metabolismus des Zusammmenhangs im Strom der Zeit gleichsam als Spiegel entgegenkommt.

Die verschlagenen Augen der Stadt folgen deinem zielbewusst schleppenden Gang am Mittag, wenn du ausgehst; ihre Blicke voll Blutwurst und Apfelmus; ihr Bedarf nach Klärung; ihre Milch voller Denkungsart; ihr Senf voll Genugtuung; ihre Nächte voller Penner.

Aber Deine Plätzchen waren voller Straßencafés und Deine Küsse voller Weidenkätzchen, damals im Frühling – und der Gang Deiner Hüften, prall voll mit Kinderlachen: ist er so leicht von meiner Schwere?!

Du aller Ideen Ich

ÜLPS

aus unzureichendem Abgrund rufen wir zu Dir!

ZEITSCHLEIFE MIT KRANZ

Was ist die Zeit?!
Die Zeit rinnt in jeden Gully!
Ein Stück Oberfläche,
mit der Haifischfinne aus dem Meer gesägt,
ist der Moment.

Seit wann hatten wir Vergangenheit gehabt?
Wir waren zurückgekehrt, erinnerst du dich?

Der Weg zur Hölle soll mit verlorenen Momenten gepflastert sein.

Später sagten sie von ihm, er hätte fast Zukunft werden können,
doch habe es ihm zeitlebens an Gegenwart gefehlt.

Er dagegen beharrte darauf, dass die Anwesenheit
des Geistes auf seiner Abwesenheit beruhe,
bis er fortging.

AN DER OBERFLÄCHE

Das Höchste: das Licht am Himmel.
Zutiefst – die Wut im Bauch;
Zersetzung des Vorgefundenen;
Metabolismus der Wurzel.
Dazwischen der Gedanke –

ist die Farbe, die entsteht im nachdenklichen Reflex des Lichts, der sich festhält im Gewebe, das das Dunkel um sich gesponnen hat und nichts als Oberfläche ist und von sich sagt: ICH bin es, was denkt – fast so, als wäre es für sich mit sich allein und existierte auch ohne Fleisch und Blut und das Knochengerüst und die Raucherlunge und den Stock beim Gehen.

Dass aber der Gedanke gehen kann, indem selbst der Lahme schreibt, liegt daran, dass das Wort noch lebt und ihn vor sich her treibt. Erst wenn uns die Worte ausgehen, werden wir einsam zurückbleiben. Dann sind wir der Welt verlorengegangen.

Vom Grab Gottes und dem Leben des Geistes

Vom reduktionistischen Standpunkt, der die summa logica des neuen Jahrtausends zu werden verspricht, ist da nichts, objektiv und zweifelsfrei, als bloß der nackte Boden der Materie, was uns zu Füßen liegt und Reduktionisten zu Kopfe steigen kann: kein Anflug von Geist weit und breit ist in den Ergüssen dieser ausgehöhlten Denkform mehr auszumachen. Hier liegt unterm Schutt einstürzender Spekulationen das Grab Gottes, wo alle Gewissheit in Kisten ruht. Kein Weg führt heraus aus diesem System enggeführter Erkenntnis, nicht mal der Tod; als Unruhe, Skandal und Antagonist allen Denkens ist er das System selbst, sein Wesen und sein Schlüssel, der Einlass gewährt in eine Unterwelt schweigender Kryostaten, in denen tiefgekühlte Leichen texanischer Milliardäre auf ihre Wiederkehr im scientologischen Himmel des Reduktionismus warten. Auf der Rückseite der Tür allerdings, die im letzten Jahrhundert mit langem Nachhall ins Schloss gefallen ist, fehlt das Schlüsselloch. Seit Gott in Deutschland gestorben ist, soll der Geist kategorisch kaltgestellt werden. Es steht zu befürchten dass moderne Zeiten fortfahren werden, immer moderner zu werden. Die Perspektive geht auf reine Dekadenz; Geist in Aspik.

Der Geist hingegen, insofern er sich der objektivierenden Selbstkonstruktion anschließt, indem er sich aus dem objektivierten Subjekt ausschließt, hält seinen reduktionistischen Büroschlaf im Untoten da hin kein Wort je dringt; woher auch keines mehr klingt, sieht man vom Gezeter der Broker und der jeweils letzten Schreckensnachricht ab, wo eine Selbstkonstruktion aus Wissen und Willen auf den Terror ihrer selbstverschuldeten Wirklichkeit stößt, in der sie herumspuken muss wie ein Gespenst, das sich eingesperrt hat in eine Welt aus Materie.

Leben hieße: in Resonanz treten, schwingen. Vielleicht sind meine Neuronen so etwas wie die Stimmschrauben in einem Piano. Die Frage ist: ist da ein Pianist? Insofern er abwesend ist, ist sie reiner GEIST. Warum sollte man argumentieren, etwas existiere nicht, das per definitionem abwesend ist – erfahrbar, aber nicht aus Materie? Wenn Materie allein Existenz zukommt, wie es der neue Dogmatismus fordert, wird sich der Geist achselzuckend damit begnügen, dass er lebt. Man hat oft genug versucht, ihn einzuschüchtern, zu vertreiben oder sogar zu verbrennen. Die Waffen des Gegners sind stumpf, geeignet zum Totschlag, aber wenig überzeugend. Fasst man Existenz in dem tautologischen Sinn auf, der dem Reduktionismus wesentlich ist, nämlich als materielle Existenz, ist es tumb tautologisch, der Materie Existenz zuzuordnen – als wollte man Dunkel mit Schatten ausleuchten. Demgegenüber ist es sinnvoller, Materie als objektiven Vordergrund der subjektiven Wahrnehmung aufzufassen. Nicht bloß an ihrer Existenz, an ihrer Unmittelbarkeit und Anwesenheit bestehen keine Zweifel. Ein Abwesendes kann vordergründig nicht existieren und dabei Geist bleiben, der sich der Welt gegenüber im Hintergrund hält. Er genügt sich ganz darin dass er lebt; Existenz hat ihm zufolge meist eher mit Finanzen und dem Arbeitsplatz zu tun, der ihn fast rund um die Uhr beschäftigt, als mit abstrakten Ansichten aus Materie und neuronalen Klaviaturen. Geist lebt mit meinem Verstand und arbeitet hart an ihm. Es ist an ihm zu differenzieren, Zeit zu erfahren und zu leben. Niemand als der Geist selbst soll Auskunft geben, was dem Geist das Leben des Geistes bedeutet. Der Verstand mag im selben Maße eine Idee davon entwickeln, wie aufmerksam er dem Geist zuhört. Diese Idee würde man als Intelligenz, und die Aufmerksamkeit als Intuition bezeichnen; und Intelligenz, insofern, ist lebendiger Verstand. Ist er allerdings in die tödliche Falle der instrumentellen Vernunft getappt, so würde er jetzt mit den Achseln gezuckt und sich Lukrativerem zugewandt haben oder der Oberfläche eines Bildschirms. Er möchte sich seiner Lebendigkeit kaum mehr allzu bewusst werden, während er mühsam verendet, was man beruflich erfolgreich und ein erfülltes Leben nennt und nebenher erklärt, warum es aus dem Netz neuerdings gespenstisch nach dem Fallbeil des Reduktionismus ruft, das unser Denken und Leben vom Geist erlösen soll: insofern nämlich Geist und Leben schon in eins gesetzt sein müssen, um Sinn zu machen. Bis dahin!

Raum ist die Grundeigenschaft, oder besser gesagt, die Substanz, von Materie – als Abstand zwischen Körpern und als deren Ausdehnung. Ebenso allerdings ist Zeit, als ein Abwesendes, Unmaterielles, die Substanz des Geistes – zu messen als der Abstand zweier Ereignisse seiner Beobachtung. Zeit liegt nicht vor Augen wie ein Meter Materie, der unmittelbar da ist. Um sie wahrzunehmen oder zu messen, bedarf es des Vergleichs der Beobachtungen, der Ablesungen der Uhr. Zeit wird sich ihrer im Geist bewusst. Die Substanz ist es, die zu Leben erwacht ist.

Es ist von fundamentalem Interesse sich klarzumachen, wie unlösbar Zeit an den Begriff der Beobachtung geknüpft ist, dem objektivierenden Begreifen des Geistes, der eicht und misst. Jede Zeitspanne bemisst sich als Vielfaches von Einheiten die wiederum Zeitspannen sind, die zwischen Ereignissen der Beobachtung, dem wiederholten Ablesen der Uhr, liegen, die nichts anderes tut als Ereignisse zu zählen. Wir wissen durch die Quantenphysik, dass Beobachtung objektiv in einzelnen Ereignissen vorliegt, die quantisierte Übergänge sind: sie bilden ein Gitter aus diskreten Punkten in Raum und Zeit, die physikalische Raumzeit, die der Relativität der Beobachter unterliegt. Quanten sind es, was die glühenden Nebel ins Weltall versprühen: jedes einzelne ein Ereignis immanenter Beobachtung, die objektive Manifestation von Geist, der sich im Hintergrund hält, wie es seine Art ist, während er auf der Rückseite des Beobachtbaren im Schatten Pfade auslotet und die Integrale der Bewegung ergänzt. Er ist von mathematischem Verstand, so logisch zwingend und eiskalt berechnend wie die Zeit selbst. Daher unterliegt es keinem Zweifel, dass Sterne weiterleuchten würden, gäbe es nirgends Beobachter im All. Die Wellenfunktion ist als gegeben anzusehen und immerhin teils vermessen: als Erhaltungsgrößen, als Masseverteilung, deren uns zu nächsten Sterne und Nebel am Nachthimmel stehen. Es ist positivster Positivismus, aus der beobachtbaren Expansion des Universums zu folgern, dass alles soweit man blickt der Zeit und insofern dem Geist unterliegt, in dem an sich und im Einzelnen der Beobachter ist; abstrakt für sich im Begriff, im Einzelnen begreifend. Warum sollte dieselbe Physik sonst überall gelten, wer sollte sie betreiben, und wie sonst könnten wir? Es wäre weder möglich irgendwas zu unterscheiden, noch dass überhaupt etwas passierte; und dass etwas passiert ist die Voraussetzung dafür, dass wir überhaupt zu denken begonnen haben und nach einer ewigen Struktur im Kosmos suchen, die in allem was vielfältig ist zu vermuten ist. Der Geist ist als abstrakter Beobachter, das legt alle Beobachtung nahe, von Anbeginn in der Welt. Er hat etwas logisch Zwingendes. Es bedarf keines Menschen, damit der Kosmos so weiterläuft, wie es physikalisch folgerichtig ist. Das ist beruhigend. Aber er tut es nicht einfach so oder weil er einem tumb reduktionistischen Dogma unterliegen möchte, sondern weil er in Naturkonstanten absolut geeicht ist. Ohne absolute Eichung wäre alle Beobachtung zwecklos und nicht bloß relativ. Dieser Geist ganz im Hintergrund, viel tiefer als mein Verstand, der aus ihm lebt, ist weder solipsistisch noch vereinzelt; er ist eins mit sich und der Welt. Nicht der Beobachter enthält den Geist; umgekehrt: der Geist enthält den Beobachter, als Abstraktum und im Einzelnen, in dialektischer Auseinandersetzung mit seiner Konkretion. Als Abstraktum bezwingend. Im Einzelfall lebendig, mit Irrtümern, die erklärbar sind, wenn man auf Geist hört.

Der menschliche Körper ist, das mag man dem Reduktionismus konzedieren, eine biologische Maschine. Was treibt sie an außer Sauerstoff und Hamburgers? Stehen hinter aller Art Absicht allein die Determinanten des Überlebens – nackte Notwendigkeit, wie sie anlässlich Darwin die Evolution insgesamt vor sich her treibt? Dazu müsste aber schon, denkt man in diese Richtung weiter, eine gehörige Portion Wahnsinn kommen, die einem Überleben insgesamt abträglich ist – Raffgier, die Paranoia und Hass erzeugt, Krieg und Terrorismus, Lebensweltzusammenhänge zerstört und gegen uns aufstört. Unterliegen wir also rein biologischen Determinanten? Wollen wir die Proteine in den Körperzellen und die Gravitation für den Skandal der Unwissenheit und des falschen Denkens verantwortlich machen? Am Ende gar für solche Vernebelungsversuche, wie sie der Reduktionismus formuliert, der die Existenz von Geist kategorisch in Abrede stellt und ihm damit das Leben absprechen will – sicherlich nicht zufälligerweise zu einem Zeitpunkt, da es im Verlauf der globalisierten Misere der herrschenden Zivilisation zu erstarren droht wie ein Kaninchen unterm kalten Blick der Schlange? Der Geist allerdings bleibt schwer verdaulich. Man kann versuchen ihn totzureden oder totzuschweigen – ein Sinn lebt in uns weiter, der nicht Wahnsinn ist, aber gleichwohl aus eigenem Antrieb und nicht bloß unter reproduktivem Zwang weiterdenkt, was irgendwie so aussieht als wenn einer nach innen horchte. Ein Eigenleben von Geist, der über neuronalen Netzen, biblischen Gewässern und dem globalen Jammertal schwebt wie eine Suite von Vivaldi für Flöte und Klavier über einem dunstigen Morgen.

Wer aber ist der Pianist, mit dem in Resonanz zu treten wäre? Darauf ist keine Antwort, falls man nicht selber die Ohren aufmachen und probehalber ein paar Töne anspielen will. Mehr ist nicht zu sagen. Der Rest ist bloß das Halbe Leben, das ein Gefängnis ist.