ÜBER NIEMAND

Mein Verhältnis zu Niemand kann heute als geklärt gelten.
Und auch hier würde Niemand zustimmen,
nachdem Niemand schon von sich aus danach gefragt hätte;
aber Niemand hört mir zu und zeigt mir stattdessen einen Vogel.

Dann tanzt wieder Niemand mit mir.
Was sind wir alt geworden, sagt leise Niemand
und verbirgt ihr Gesicht in mir.
Wie von nirgendwoher Musik.

Niemand ist hier.

EINSICHT

Erst als er sich eines Morgens dabei ertappte, wie er versuchte, sich eine Tasse Kaffee anzuzünden, ging ihm ein Licht auf über sich.

Aber auch das war überflüssig. Draußen schien vorübergehend die Sonne; sonst bewegte sich nichts.

Und dass Irgendwo nirgends liegt, sieht schließlich jeder ein, der selber mal da war.

Himmelwärts

Dein blauer Blick
Entgegenkommend

Dein Kopfschütteln
Lebenslang

Deine Gegenwart
Jetzt

Deine Abwesenheit
Ewig

Zukunft undenkbar
Ohne Dich

IN TODO DADA

Eingeborene Ausgeburten des Dilemmas taumeln mir auf der Straße entgegen − ganz besoffen von ihren Tablets und immer den Knopf im Ohr, so wie das sein muss, damit man echt ist … irgendwie, und immer mitten aus dem Dingsbums gerissen − ungefähr so wie der Zusammenhang.

Aber Regenwürmer, meterlang, im Boden.

TINITUSSERENADE

Der Rentierknochenfingerhut des Tlingit klingelt,
bis sich vor Wut der Himmel um den Zeigefinger ringelt.
Ich geh zur Tür und öffne, weil ich wohl öffnen muss.
Da steht der Häuptling Tinitus!
Er steht bewusst auf einem Fuß,
dann hebt er ihn und schwebt
gemächlich
weiter…

VOLL MOND!

Der Vollmond hatte sich wieder gut einen hinter die Binde gekippt und hängt jetzt breit grinsend im Fenster. Gleich wird er mal reinkommen – „Haste noch was da?“, lallt er. Ich winke ab: „Du bist voll, Mond! Wenn du neu bist, kannst du wiederkommen.“

KATERFRÜHSTÜCK

Die Katze frisst noch eine Maus und
säuft den Brandy aus.
Der Storch bestellt Salat und sagt zum Frosch
„Mein König“,
bevor er ihn vespeist.

Die Seele macht den Anfang, dann ziehst Du.
Die Bäume, kahl und sprachlos, schauen zu.
Der Sommer ist verreist,
und eine letzte welke Rose
ist mit sich per Du
am Ufer.

OSTERLEGENDE

Das alles sei ein stetes
Auflegen und Ablegen
Erlegen und Zerlegen
Vorlegen und Nachlegen
Zulegen und Anlegen
Auslegen und Einlegen
Flachlegen und Hochlegen
Kurz Überlegen
Und endlich Eierlegen

Dann sei es Ostern

IST SCHOLZ AN ALLEM SCHULZ

oder ist die ganze Sülze selbstverschulzt hienieden

die Schmetterlinge taumeln lila Lieder im Falsett
und violetten Sommerflieder
das lächelt in mir eher fremdverschmitzt als selbstgewollt
wenn ich sage

ich bin voll oberscholz auf euch alle
gemeinsam sind wir die Katastrophe

jetzt noch eine zündende Idee und das Ganze fliegt in die Luft