für Charles Beaudelaire und Ingeborg Bachmann


Lyrik, Prosa, Essays
für Charles Beaudelaire und Ingeborg Bachmann

Flitter des Augenblicks in der eisigen Luft des weißen Abends.
Zwischen klirrenden Buchsbaumhecken:
der klare Abdruck im Schnee gibt Gewissheit, die nichts umfasst.
Da heult eine Eule mit Scheinwerfern
durch Nebel von Schwermetall;
der Mond spreizt aschene Fächer,
und Flügel zerhämmern das All.
Aus drei hohen, goldenen Fenstern fällt Nachtglast
auf einen Wasserfall.
nachts hängt der Mond über den Brücken mit dem Gesicht einer toten Frau die eine Sonnenbrille trägt
wir haben uns die Taschen mit Vergangenheit vollgestopft um jetzt nicht zu erfrieren
hält man den Gedanken gegen’s Licht beginnt er von innen zu leuchten wie ein blassvioletter Fluorit den wir vor Jahren in der Wüste Sonora einem Grenzlandindianer abgekauft hatten
es eröffnete sich nie das stärkere Sein der Sonne die mich des Morgens vergeblich sucht
bestürzt breitet sie Schwingen über dem verwelkten Garten
das Tor steht offen
auf einem Zettel steht von Kinderhand gekritzelt
besteht irgendwo Hoffnung
unter der Brücke in seinem Kot liegt der alte Gärtner
tot
hat Dich mein schwarzes Blut erkannt.
Auf der Kreuzung des Wegs mit der Straße vorm Haus
liefst Du durchs Bild. Die Sirenen sangen;
doch ich senkte den Blick, bedenkend,
dass auch die Flamme der Kerze noch einmal heller aufflackert, verlangender, kurz bevor sie verlischt…
und frieren denn nicht die Sterne am Weihnachtshimmel?!
Mein schwarzes Blut allein kennt Deinen Namen.
Wer kennt den längsten Augenblick?
Wer küsste die Spur im Sand,
war die Rose im Meer und
der Stein auf dem Grund?
Wie jedes Glück an einem Unheil hing seither,
am langen schwarzen Faden, solang,
bis es in einem späten Abendlicht
verging.
Ich hab das Kind gesehen
und zwischen uns den schwarzen Kelch.
Die Inschrift, goldnes Schilf auf rotem Spiegel,
blieb ungelesen.
und Du bist in mir die tote Zeit.
Das Verlies im Beton der Erinnerung war für Dich bestimmt.
Dass Du entkamst, war Geschick.
Es gibt kein Zurück, denn ich sehe Dich:
jetzt trinkst Du mein schwarzes Blut.
in absteigender Spirale
in der Folge des Seins
vom Dasein zum Abholtermin
verfaulend in der Tonne
deines Abfalls vom Wort
bist du nicht aufgehoben
der Sinn bleibt verschlossen
und nichts öffnet den Deckel
hebt dich zu sich empor
und hebt dich auf
als das Wort
wer hat nicht diese Augen schon tausendmal im Schlaf geküsst die in der Leere sehen