
Die Totenglocke schlägt gewichtig vom Turm der Marienkirche und verkündet das eherne Gesetz der Zeit: auf ewig immer zu Ende zu sein. Ich hebe ab und bin wieder verbunden mit Jutta – es schweigt am anderen Ende der Leitung. Eine zärtliche Stille hüllt mich ein, legt wieder auf. Ich komme zu mir.
Die Glocke ist verstummt; doch auch der Lärm der Lebenden ist abgeebbt. Im Moment nicht mal Hundegekläff; selbst das Selbstgespräch der Irrsinnigen pausiert. Oktober – mir ist auf der Sonnenseite heiß und gleichzeitig auf der Schattenseite kalt, wie ich da so sitze – mit meiner Zigarette, bei den anderen Alten, auf der Bank.
Ein kleiner Junge treibt den Ball über den Platz; ein großer schleppt Bier für alle an – die Kindheit kehrt nicht zurück; auch nach dem zwölften Schoppen. Jetzt aber Claudia, die Zwergfrau, mit ihrem Kinderwagen voll Puppen und eingesammelter leerer Flaschen!?
Um einen sienaroten Gummiball dreht sich die Welt – erst tollen die Kinder um ihn herum; dann hängt er unerreichbar gegen Abend am Himmel und glüht orange vor Sehnsucht nach dem ausgelassenen Glück der Kindheit!
Ein Kinderspiel die Welt … der Tod, der alte Kinderschreck, kehrt die Reste zusammen, wenn es vorbei ist. Im Jenseits, glaube ich, halten sich die Erwachsenen die Bäuche über uns und probieren das Nachlaufen.
