Leere Hände

Er nahm das Wort und brach es
Da schlüpfte eine Stille aus und machte die Runde
Sie kam zu dir und auch zu mir und ließ sich nieder
Und ich hörte sie sagen

Was du liebtest
Mensch
zerfiel zu Staub
Doch einzig die Liebe ist über Kritik erhaben

Wie der Engel des Todes eilen wir uns selbst aus der Zukunft entgegen
leere Hände reckend

LETZTE BOTSCHAFT

„Rose, oh reiner Widerspruch, Lust, Niemandes Schlaf zu sein unter so viel Lidern.“ Rainer Maria Rilke, Grabinschrift

Der Schatten eines Engels fiel auf mich dieser Tage, während ein später Sonnenstrahl gegenüber zerstreut auf den müden Fassaden spielte, die wegschauten, als wäre nichts weiter zu sagen –

nur dieses plötzliche Verlangen, Lust, Niemandes Schlaf zu sein – hinter so vielen herabgelassenen Rolläden; in so vielen vergessenen Zimmern…

Dieser zugeschnürte Karton voll halbvergilbter Briefe unterm Bett war ich. Die letzte Botschaft ging verloren; der Schatten zog weiter.

Foto: Straße in der Bonner Südstadt

Foto: Straße in der Bonner Südstadt

REGENLAND

Am Himmel ein Engel von unklarer Aussage –
Wolkenformationen wie die Reste eines Kontinents
über der Wasserlinie eines Ozeans von verträumtem Blau, der alles verschlingen und vergessen wird, was war, bevor du an einem letzten Ufer ankämest.

Ein frierender Engel unter vielen, die den Heimweg
nicht mehr finden. Das Wasser steigt und mit dem Regen kommt die Kälte, und mit der Kälte kommst du und klingelst an meiner Tür, durchnässt, frierend. Und jetzt noch einmal, verzweifelter. Vergeblich!

Niemand öffnet, denn ich wohne gar nicht mehr hier.
Bin längst ausgezogen, wenn nicht verstorben und
existiere nur noch auf dem Papier – damit alle wissen:
Niemand wird da sein und die Tür öffnen, dereinst,
wenn der Engel klingelt.