Hardthöhe, Malteserkrankenhaus

Handchirurgie,
Verletzlichkeit -
im Kern nur Knochen, geisterhaft auf einem Röntgenbild.
Ein Rätsel, das in dir zu Hause ist, setzt sich fort in diesem Wartezimmer.
In der Cafeteria, zwischendurch, stecken zwei Schwestern gegenüber die Köpfe zusammen und turteln – schau lieber noch mal hin: die eine trägt Schnäuzer. Bruder! Alle tragen hier Weiß, denn deine Unschuld steht nicht in Frage; und deine Geschichte kennt vielleicht jeder Busch, vor dem du draußen gestanden hast, bei einer Zigarette vor der Tür, herabblickend über die Stadt im überraschenden Licht eines wärmenden Strahls vom winterlichen Himmel, der sie ihm in kleinen Böen, die dich sacht umspielen, verraten hat – schon springst du nach deinem Hut, der forthüpft.
Patient lebt.
Und eine alte Dame, sehr gebrechlich wirkend, einsam, schon nach der Tomografie wartend, kämmt sehr sorgfältig ihren Pony über der hübschen Nasenwurzel, bevor ein junger Pfleger kommt und sie vorsichtig fortführt.
Zurück ins Wartezimmer.
Handchirurgie.
Verletzlichkeit bleibt nicht allein.

Eingetragen am Mittwoch, Juli 21st, 2010 unter Lyrisches.

Ein Kommentar

  1. Juanito Lomez sagt:

    Starkes Stück, gefällt mir! Allerdings muß es heißen: Cafet*e*ria. Bruder!

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