Einkaufszeilen

Im Eingangsbereich des neuen Einkaufsparadieses, von der Straße die ich Endenicher Verzweiflung nenne in Richtung Endenich gesehen rechts um die Ecke mit der Tankstelle vorm alten Bunker gelegen — hinter dir, jenseits der vierspurigen Fahrbahn, die Porzellanklinik in rotem Klinker mit Zierrat der Gründerzeit und dem alten Magnolienbaum, der, jetzt harsch verschneit und nackt, furchtlos und gelassen auf den launigen April wartet — herrscht plötzlich Gedränge. Ohne Eile inmitten der Hast kommt mir ein Paar alter Leutchen entgegen und trennt sich genau vor meinen Füßen.

Ich wünsche ewiges Leben, sagt er zum Abschied.
Aber hoffentlich nicht so bald, entgegnet sie.
Ich lade mich auf mit gewichtigen Taschen voller Lebensmittel und einer Flasche teurem Wein, kaufe mir Tabak, strebe dem Ausgang zu.
Rechts an der Wand in der Eingangshalle, scheinbar auf jemanden wartend,  steht ein junges Mädchen mit furchtsamen braunen Kaninchenaugen und hält auf beiden Armen einen Kleintierkäfig vor der Brust fest. Scheu schaut sie durchs Gitter. Ob sie mich gesehen hat?
Ein Narr ist jemand, der zu kleine Schuhe anzieht und findet, dass sie zu groß sind für einen kleinen Narren wie ihn.
Ich sah den alten Bunker grinsen.
Da passen Sie doch gar nicht rein, sprach der Narr mit ernster Miene und deutete auf den Käfig. — Ich hörte weg und ging nach Hause. Was gehen mich die Narren an mit ihren kleinen Schuhen, die eine Nummer zu groß sind für mich.

Eingetragen am Mittwoch, Juli 21st, 2010 unter Lyrisches.

Ein Kommentar

  1. I was looking everywhere and this popepd up like nothing!

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